10.06.2025 von Joshua Türk
Während ich diesen Text schreibe, sitzen immer noch unschuldige Menschen irgendwo im Gazastreifen in unterirdischen Tunneln, verschleppt, bedroht, gequält. Geiseln der Hamas. Männer, Frauen, Kinder. Sie wurden am 7. Oktober 2023 aus ihrem Zuhause gerissen, von einer Terrororganisation, die keine Rücksicht kennt. Viele dieser Namen kennt niemand. Sie haben keine internationale Bühne, keine Millionen Follower, keine PR-Maschinerie. Nur Angst. Nur Ungewissheit.
Und genau deshalb fällt es mir so schwer zu begreifen, wie leichtfertig manche Menschen im Westen mit ihrer Meinung umgehen allen voran Greta Thunberg. Jene junge Frau, die einst die Welt für den Klimaschutz wachrüttelte, steht nun auf einem anderen Deck: Auf einem Segelschiff, das im Namen pro-palästinensischer Solidarität in See sticht. Ein mutiges Zeichen, sagen ihre Unterstützer. Ein einseitiges Statement, sage ich.
Was hilft einem Geiselkind in Gaza ein Segeltörn?
Die Szene wirkt fast surreal: Während in Israel Angehörige verzweifelt auf ein Lebenszeichen ihrer entführten Familienmitglieder warten, setzt sich eine europäische Aktivistengruppe mit einer Segelyacht in Richtung Nahost in Bewegung, als Symbol für Frieden.
Das klingt nach Abenteuer, nach edler Absicht. Aber es blendet etwas Entscheidendes aus: die Realität.
Frieden braucht mehr als Symbole. Frieden braucht Ehrlichkeit. Und zur Ehrlichkeit gehört, dass es die Hamas war, die diesen jüngsten Krieg ausgelöst hat. Dass Israel sich verteidigt, auch wenn das Leid auf beiden Seiten tragisch ist. Wer heute für Palästina spricht, ohne den Terror der Hamas zu benennen, macht sich nicht zum Friedensstifter, sondern zum Verkürzer einer komplexen Tragödie.
Die Welt darf nicht vergessen, was am 7. Oktober geschah
Ich bin nicht gegen Hilfe für Zivilisten in Gaza. Im Gegenteil. Ich bin gegen Gleichgültigkeit auf allen Seiten. Aber ich frage mich: Warum schweigen so viele, wenn es um die Geiseln geht? Warum ist ihr Schicksal keine internationale Kampagne wert? Warum ist das Leben einer israelischen Mutter oder eines jüdischen Schulkindes scheinbar weniger „symbolfähig“ als ein Segelschiff mit Fahnen?
Greta Thunberg ist eine der bekanntesten Stimmen ihrer Generation. Ihre Worte bewegen. Aber mit dieser Aktion verfehlt sie den Kern: Humanität ist kein Spiel mit Flaggen. Wer wirklich Frieden will, muss alle Opfer sehen nicht nur die, die ins eigene Weltbild passen.
Deutschland sollte klug und wachsam bleiben
In Deutschland neigen wir dazu, sehr schnell Partei zu ergreifen, oft gut gemeint, aber manchmal naiv. Wir haben eine besondere Verantwortung gegenüber Israel. Nicht nur wegen der Geschichte, sondern weil Israel die einzige Demokratie im Nahen Osten ist, in der Meinungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und Minderheitenschutz gelten, trotz aller Fehler, die auch dort gemacht werden.
Kritik ist erlaubt. Sie ist sogar notwendig. Aber sie darf nicht zur Schuldumkehr werden. Es ist nicht Israel, das diesen Krieg gesucht hat. Es ist nicht Tel Aviv, das Geiseln nimmt und Zivilisten als Schutzschilde missbraucht. Wir müssen wachsam sein, gegenüber jeder Form von Antisemitismus, auch wenn er sich „woke“ kleidet.
Ich wünsche mir eine Welt, in der ein Segelschiff keine falsche Hoffnung macht
Vielleicht meint es Greta Thunberg gut. Vielleicht glaubt sie, dass ihr Schiff Hoffnung bringt. Aber Hoffnung entsteht nicht durch Pose, sondern durch Verantwortung. Und die beginnt mit dem Zuhören, auch jenen gegenüber, die heute kein Mikrofon haben. Jenen, die in der Dunkelheit warten. Jenen, die aus Israel verschleppt wurden und deren Schicksal wir nicht vergessen dürfen.

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